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Bolivien 1995 - Fahrt nach Coroico
Von La Paz wollen wir mit dem Minibus nach Coroico, einem kleinen Dorf in den
Yungas. Es soll für uns der Ausgangspunkt in das bolivianische Tiefland
sein. Zuerst steigt die Straße aber bis auf 4700 m an. Schon lange
sehen wir kaum einen einzigen Baum mehr, überall nur gelbliches Ichugras;
und außer einigen Lamas scheint es hier nur herrenlose Hunde zu geben. Nach
einigen Kontrollpunkten ist die Straße an einer Baustelle gesperrt.
Nur nachmittags wird sie für einige Stunden für den Verkehr geöffnet.
Über die unfreiwillige Wartezeit sind aber nur einige Touristen verärgert,
die Bolivianer sehen das ganz gelassen: "Es ist doch nur noch eine Stunde."
In der Zwischenzeit kann man bei den Indianerinnen am Straßenrand
Proviant und Mittagessen kaufen. Wir genießen den herrlichen Blick
auf die Berge in der Umgebung. Wir ahnen noch nicht, was uns auf der weiteren
Fahrt erwartet . . . Die Straße schlängelt sich plötzlich
auf abenteuerlichen Serpentinen abwärts. Wir fahren ganz dicht am
Felsen entlang, denn auf der linken Seite geht es einige hundert Meter
tief in den Abgrund, so steil, daß sich kaum größere Pflanzen
an den Hängen halten können. Wir haben einen überwältigenden
Blick über die Yungas. Der Name "Yungas" bedeutet "Täler" und
ist eigentlich eine maßlose Untertreibung. Wir sind so beeindruckt,
daß wir kaum wahrnehmen, wie schnell wir in wärmere Klimazonen
kommen. Schnell im wahrsten Sinne des Wortes, denn plötzlich scheinen
es alle eilig zu haben. Die Busse und Lkws, die sich eben noch den Berg
hochgequält haben, rasen nun in einem Tempo die schmale Straße
abwärts, daß uns richtig Angst wird. Die Fahrbahn ist nicht
befestigt und oft nur 3,50 m breit, nach europäischen Verhältnissen
eher ein Feldweg als eine Straße. Durch den aufgewirbelten Staub
kann man kaum den Vordermann erkennen. Jedesmal gibt es eine Vollbremsung,
wenn hinter einer Kurve plötzlich ein Bus entgegen kommt. Wir erfahren
zum Glück erst nach der Fahrt, daß auf dieser Strecke besonders
in der Regenzeit im Sommer (Dezember bis März!) schwere Unfälle
passieren.
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